cannhelp auf der ICBC - Deutschland 2018

Medizinisches Cannabis, der Weg zur Entkriminalisierung einer stigmatisierten Pflanze. Kanada und die USA zeigen es vor. Umsätze in Milliardenhöhe, hohe Steuereinnahmen und die Schaffung tausender neue Arbeitsplätze zeigen neben der Hilfe für Betroffene Patienten die positiven Aspekte der Freigabe als Medizin. In Colorado, einem der Vorreiter der 31 Bundesstaaten mit medizinischem Cannabis Programm, wurden im Jahr 2017 rund 1,6 Mrd Dollar umgesetzt und 68000 offizielle Mitarbeiter in der  Cannabis Industrie beschäftigt.

Die weiteren daraus resultierenden Schritte wären die totale Freigabe und vollkommene Entkriminalisierung. Kanada kann mit 84 offizielle Firmen in der Cannabis Industrie mit einem Firmenwert von 37 Mrd Kanadische Dollar punkten.

Auch in Deutschland ist es endlich soweit. Immer mehr Befürworter, darunter auch der Bund Deutscher Kriminalbeamter die mit den derzeitigen Gesetzen nicht d’accord sind fordern die Entkriminalisierung. Die Kriminalstatistik verdeutlicht den Irrsinn denn im Jahr 2016 war die Deutsche Polizei in 183000 Fällen mit Cannabis Delikten beschäftigt. Laut Berechnungen konsumieren rund 3-4 Millionen Einwohner zwischen 200 und 400 Tonnen Cannabis pro Jahr und geben dafür bis zu 2.4 Milliarden Euro aus wovon kein Geld in den Steuertopf zurückfließt.

Auf der anderen Seite kämpfen Patienten verzweifelt um Rezepte für Cannabisblüten aus den Apotheken und um die Kostenübernahme durch Krankenkassen. Der Staat wird durch die starke Lobbys der Pharmaindustrie blockiert, die mit 1500 Pharmaunternehmen, 120000 Mitarbeiter und rund 40 Mrd. Euro Jahresumsatz ihren Markt verteidigen. Wenig Unterstützung kommt von Landesärztekammern.

Das Auffinden eines geeigneten Arztes aus Sicht des Patienten stellt sich oftmals als schwierig heraus. Die meisten Ärzte vermeiden den Umgang mit medizinischem Cannabis.

Folgende Punkte sind dafür ausschlaggebend:

Die konservative Einstellung mancher Ärzte sowie der höhere Rechercheaufwand denn die Datenlage zu medizinischem Cannabis liegt als nicht harmonisierte Ansammlung von Studien vor. Es gibt wenig klinische Studien da die private Forschung kein Geld in die Entwicklung von schwer patentierbaren Medikamenten (Blüten) investiert und das öffentliche Forschungsinteresse meist auf Grundlagenforschung limitiert ist. Anekdotische Überlieferungen von Cannabis werden nicht anerkannt trotz der Existenz von Cannabis in der Medizin vor der Prohibition im letzten Jahrhundert.

Die Dosierungsangabe für den Arzt ist schwierig denn es gibt viele Cannabis Sorten mit unterschiedlicher Zusammensetzung der Inhaltsstoffe. Welche ist nun die passende? In den Deutschen Apotheken sind bis zu 20 verschiedene Cannabis Sorten zu finden. Der Arzt muss eine dieser Sorten auswählen und dem Patienten verschreiben. Das Rezept gilt dann nur für diese eine Sorte. Da die Flächendeckende Versorgung von medizinischem Cannabis nicht gegeben ist warten Patienten oft vergeblich auf die passende aber gerade nicht lagernde Cannabissorte.

Das Arzneimittel bzw. Praxisbudget der meisten Ärzte ist nicht ausreichend da die Krankenkassen das Budget für die Medikation aus der maximalen Verschreibungsmenge errechnen. Dieses Budget ist viel zu gering und es liegt naheliegend, dass Ärzte dann auf andere Cannabis Präparate wie Sativex oder Dronabinol zurückgreifen um Regressforderungen zu vermeiden. Angaben der größten deutschen Krankenkassen verdeutlichen den Zustand.

Die Kostenübernahme der deutschen Krankenkassen liegt im Jahr 2017 bei rund 60%. Die übernommenen Präparate können laut mangelnder Dokumentation nur aus bestimmten Hinweisen geschätzt werden.

Von den rund 20000 Fällen der Kostenübernahme fallen wahrscheinlich die Hälfte auf Sativex und die andere Hälfte auf Dronabinol und Blüten wovon die Blüten ungefähr ein Drittel ausmachen.

Vor der Erstattung durch Krankenkassen muss der Patient schulmedizinisch austherapiert worden sein. Die meisten Landesärztekammern lehnen Cannabis als Medizin ab und erhöhen den Druck auf Ärzte. Es gibt keinerlei Definitionen für schwerwiegende Erkrankungen.

Apothekenseitig ist leider keine Regelversorgung gegeben und Versorgungsengpässe limitieren die Anwendung. Privatversicherte haben es meist leichter was zu einer mehr Klassenmedizin führt, denn falls die Krankenkasse abspringt sind die überteuerten Preise von Cannabisblüten selbst zu übernehmen.

Aufgrund der Komplexität und Apotheker Preisverordnung entstehen sehr hohe Verkaufspreise in Apotheken. Die Preise liegen jenseits 20 €/g (23€/g im Regelfall) und sind im Vergleich zu den Produkten in den Niederlanden die bei 10 - 12 €/g kein vertretbarer Preis.

Um auf die Komplexität einzugehen, können wir folgendes Bild skizzieren.

Deutschland hat 80 Millionen Einwohner und laut Schätzungen und Hinweisen von Krankenkassen 20000 offizielle Cannabis Patienten im Jahr 2017. Die Einfuhrgenehmigung von Cannabisblüten im Jahr 2017 betrug 11000 kg. Nach Berechnungen könnten rund ein Prozent der Bevölkerung von medizinischem Cannabis profitieren. Die Einfuhrgenehmigungen für 2018 betragen 16400 kg obwohl die Prognose für die Anzahl an Cannabispatienten weitaus höher liegt und es sich bei Cannabisblüten um ein erstattungsfähiges Medikament handelt. Grund dafür ist die Pharmaindustrie die mit dem Verkauf von Arzneistoffen wie Dronabinol, Sativex und Cannabidiol als Reinsubstanz ihren Umsatz ausbauen kann und so die Nachfrage nach Cannabis Präparaten stillen kann.

Deutschland verbietet es heimischen Unternehmen Cannabis zu züchten da hier ein Erfahrungsdefizit in Bezug auf den Anbau bestehen soll. Daher muss auf Märkte zurückgegriffen werden, die medizinische Cannabis Programme besitzen und bereits Cannabis in geeigneter Qualität züchten. Des weiteren darf nur aus Länder importiert werden, in der Cannabis nur für medizinische Zwecke freigegeben ist. Bisher kamen Staaten wie Kanada, Niederlande, Israel, Österreich etc. in Frage. Nach einer Stellungnahme des BfArM wird es jedoch möglich sein weiter aus Kanada zu importieren obwohl diese planen Cannabis in der zweiten Jahreshälfte 2018 freizugeben. Aufgrund eines Verfahrensfehlers des BfArM im Zuge der Lizenzvergabe für den Anbau in Deutschland klagten einige Unternehmer und behielten vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf recht. Somit muss der langwierige Prozess der Lizenzvergabe neu initiert werden und die Pharmalobby kann diesen weiter beeinflussen. Der Eigenanbau ist den Deutschen Bürgern weiter untersagt.

Die strengen Bestimmungen und Auflagen für Importeure erschweren die Prozesse.

GMP und Import Sicherheit sind die Stichworte. Abgesehen davon gibt es eine verpflichtende Temperaturkontrolle, minimal einzuhaltende Schwankungsbreiten (bis zu 10%) von Inhaltsstoffen (CBD, THC, CBG usw.). Für die Verpackungseinheiten müssen Stabilitätsnachweise für 6, 9 und 12 Monate erbracht werden. Polizeikontrollen, bestimmte gesicherte Lagerplätze und Brandschutz durch Feuerwehr müssen gegeben sein.

Die Einfuhr als Extrakte als Rohstoff für Apotheken ist möglich.

Für die Einfuhr von Arzneimittel auf Basis von Hanfextrakten (Öle, Kapseln) werden Studien benötigt. Studien können nur für eine bestimmte Krankheit verwendet werden was viel Zeit in Anspruch nimmt.

Für Apotheken ist es auch ein finanzielles Problem, denn 1 kg Cannabis kostet bis zu 10000€ im Einkauf. Des weiteren besteht ein großer Platzbedarf im Vergleich zu anderen Medikamenten. Der Aufwand für Apotheken steigt denn es ist ein Tresor notwendig und die

Dokumentation aufwendig. Spezielle oft nicht vorhandene Beratungskompetenz wird nachgefragt. Die Anwendungsformen von Cannabisblüten sind sehr vielseitig welches wiederum hohe Anforderung an Beratungskompetenzen mit sich bringt.

Der Großhandel zeigt wenig Interesse da der Lagerbedarf und die Administration viele Ressourcen benötigt und im Gegensatz die Marge mit rund 3 Prozent sehr gering ist.

Apotheken bekommen nicht die notwendige Unterstützung und Aufgrund der hohen Nachfrage und des geringen Angebots ist der Handlungsspielraum für diese stark eingeschränkt. Die mangelnde Professionalität der Produzenten im Umgang mit dem Pharmazeutischen Rohstoff und der geringe Wettbewerb tragen dazu bei, dass Cannabisblüten weiter unterdrückt werden können.

Das Fazit:

Die Lobby der Deutschen Pharmaindustrie hat das Geschehen weiträumig im Griff und Patienten werden sich wohl weiterhin zum Großteil mit Pillen, Tropfen und Sprays begnügen müssen.

Die Internationalen Cannabis Märkte entwickeln sich rasant. Wenn Deutschland nicht bald aufspringt wird das Exportland Deutschland in diesem Sektor wohl weiter zukaufen müssen.

Steuereinnahmen und Arbeitsplätze werden in anderen Staaten positiven Mehrwert bringen.